
KI in der Arbeitswelt: Entlastung oder Belastung?
Künstliche Intelligenz verspricht mehr Effizienz, weniger Routineaufgaben und eine spürbare Entlastung im Arbeitsalltag. Viele Unternehmen verbinden mit KI die Hoffnung, Prozesse zu beschleunigen und Beschäftigte zu unterstützen. Doch führt die Nutzung von KI tatsächlich zu weniger Belastung? Oder entstehen dadurch neue Herausforderungen?
Die Antwort ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint.
KI verändert Tätigkeiten
Studien zeigen, dass generative KI Beschäftigte bei bestimmten Aufgaben deutlich unterstützen und die Produktivität steigern kann (1). Gleichzeitig verändert ihr Einsatz die Tätigkeiten selbst: Beschäftigte müssen Ergebnisse prüfen, Fehler erkennen, Entscheidungen einordnen und den Umgang mit neuen Anwendungen lernen. Zudem können die Erwartungen an Geschwindigkeit und Arbeitsergebnisse steigen.
Effizienzgewinne führen somit nicht automatisch zu Entlastung. Wird die eingesparte Zeit mit zusätzlichen Aufgaben oder Verantwortlichkeiten gefüllt, kann die Arbeit trotz technischer Unterstützung intensiver werden.
Eine Auswertung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (2) verdeutlicht diese Ambivalenz: Beschäftigte, die häufig mit KI arbeiten, berichten von größeren Handlungsspielräumen, zugleich aber auch von erhöhter Arbeitsintensität. KI-gestützte Arbeit ist daher nicht automatisch leichter oder gesünder, vielmehr verändern sich Tätigkeiten, Anforderungen und damit auch Belastungen.
Neue Formen psychischer Belastung
Eine aktuelle Überblicksarbeit von Langer und Kluge (2026) (3) benennt mehrere Belastungsfelder im Zusammenhang mit KI:
- Technostress durch die gleichzeitige Nutzung verschiedener Systeme
- zusätzlicher Entscheidungs- und Prüfaufwand bei der Bewertung von KI-Ergebnissen
- Arbeitsverdichtung und steigende Arbeitsintensität
- Sorgen um Kontrolle, Autonomie und den Erhalt eigener Kompetenzen
- soziale Entfremdung durch weniger Austausch mit anderen Menschen
Übernimmt KI einfache Routineaufgaben, können zudem kurze mentale Erholungsphasen entfallen. Die verbleibenden Tätigkeiten können dadurch anspruchsvoller und kognitiv belastender wahrgenommen werden.
KI kann auch entlasten
Gleichzeitig wäre es falsch, KI ausschließlich als Belastungsfaktor zu betrachten.
Zahlreiche Anwendungen können den Arbeitsalltag spürbar erleichtern, etwa indem sie große Informationsmengen aufbereiten, repetitive Arbeitsschritte reduzieren oder den Zugang zu Wissen vereinfachen. Auch die Forschung zeigt, dass KI durchaus Potenziale für Produktivitätssteigerungen und kognitive Entlastung bietet.
Ob diese Potenziale tatsächlich bei den Beschäftigten ankommen, hängt jedoch entscheidend von der Gestaltung der Einführung und Nutzung ab.
Entscheidend ist die Gestaltung
Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob KI grundsätzlich belastet oder entlastet.
Vielmehr kommt es darauf an, wie KI in die Arbeit integriert wird. Werden Beschäftigte beteiligt? Gibt es ausreichend Qualifizierung? Bleibt der Mensch handlungs- und entscheidungsfähig? Werden mögliche Belastungen frühzeitig erkannt und berücksichtigt?
Eine menschenzentrierte Einführung von KI kann dazu beitragen, Belastungen zu reduzieren und die Potenziale der Technologie sinnvoll zu nutzen. Schulungen, Mitbestimmung, transparente Prozesse und eine bewusste Arbeitsgestaltung spielen dabei eine zentrale Rolle.
Fazit
KI ist weder automatisch Entlastung noch automatisch Belastung.
Sie verändert Tätigkeiten, Anforderungen und Arbeitsabläufe. Während manche Tätigkeiten leichter werden, entstehen an anderer Stelle neue Anforderungen und Belastungen. Die entscheidende Herausforderung für Unternehmen besteht deshalb darin, nicht nur auf Effizienzgewinne zu schauen, sondern die Auswirkungen auf die Arbeit der Beschäftigten mitzudenken.
Das Zukunftszentrum KI NRW unterstützt Unternehmen dabei, die Chancen von KI zu nutzen und mögliche Belastungen für Beschäftigte frühzeitig zu berücksichtigen. Sprechen Sie uns gerne an – mit Weiterbildungen, Beratungen und Impulsvorträgen begleiten wir Sie bei einer gesundheitsgerechten und menschenzentrierten Gestaltung des KI-Einsatzes.
Weiterführende Angebote:
KI und digitaler Stress: Tipps und Strategien für einen gesunden Umgang « Zukunftszentrum KI NRW
Literatur:
- Noy, S. & Zhang, W. (2023): Experimental evidence on the productivity effects of generative artificial intelligence. Science, 381(6654), 187–192. https://doi.org/10.1126/science.adh2586 ↩︎
- Klärner, K.-D. et al. (2025): KI-unterstützte Arbeit: zwischen Handlungsspielraum und Arbeitsintensität. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. DOI: 10.21934/baua:berichtkompakt20251009 ↩︎
- Langer, M. & Kluge, A. (2026): Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf psychische Belastung in der Arbeitswelt – ein Überblick. Preprint. https://doi.org/10.31234/osf.io/a4svx_v1 ↩︎
Bildquelle: Das Beitragsbild wurde mit KI generiert.
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