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KI im Bereich Marketing – Ein Feldversuch beim Arbeitgeberverband in Lüdenscheid

Mitte Januar 2026 war das Zukunftszentrum KI NRW in Lüdenscheid eingeladen, um im Rahmen der gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband Lüdenscheid e.V. gestarteten KI-Reihe einen Workshop speziell zum Thema KI im Bereich Marketing durchzuführen. Der Arbeitgeberverband hatte dazu circa 25 Geschäftsführer:innen und Abteilungsleiter:innen von Betrieben unterschiedlichster Branchen aus der Region eingeladen. Ziel war es, den Teilnehmenden in einem interaktiv gestaltetem „Feldversuch“ einen tieferen Einblick in die Möglichkeiten des Einsatzes von Generativen KI-Tools im Bereich Marketing zu geben. Jede:r Teilnehmende hatte dafür einen eigenen Laptop mitgebracht, die mit unterschiedlichen KI-Tools wie ChatGPT, CoPilot, Perplexity oder Gemini bestückt waren.


Abb. Teilnehmende Geschäftsführer:innen und Abteilungsleiter:innen beim KI-Marketing Workshop des Zukunftszentrums KI NRW in Kooperation mit dem Arbeitgeberverband Lüdenscheid e.V.

Zu Beginn wurden im theoretischen Teil des Workshops die Teilnehmenden mit den wichtigsten Strategien für ein wirkungsvolles Prompting vertraut gemacht. Anschließend wurden sie gebeten, ihre erworbenen Kenntnisse für die Erstellung eines fiktiven Werbespots praktisch anzuwenden.

Nach kurzer Abstimmung seitens der Teilnehmenden fiel die zufällige Auswahl des zu testenden Produktes auf das Thema „Alufelge für Autos“. Als dafür anzusprechende Zielgruppe wurden „sportbegeisterte Frauen Anfang 40“ ausgewählt. Anschließend begannen die Teilnehmenden in jeweiliger Eigenregie Bilder und einen entsprechend „treffenden“ Slogan zu generieren.

Bei der Textgenerierung wurde nach mehrmaligen Prompting-Durchläufen Slogans generiert, wie zum Beispiel:

Interessant hierbei war die Erfahrung, dass sowohl mit exakt dem gleichen Prompt als auch demselben KI-Tool (z.B. ChatGPT-4o) kein einziger Slogan zweimal erzeugt werden konnte. Es existierten immer marginale Abweichungen, was verdeutlicht, wie sehr es sich bei den angewandten Large Language Modellen immer nur um „Wahrscheinlichkeiten bei Wahl des nächsten Wortes“ handelt.  

Durch Veränderung des Sprachstils am Beispiel „von Goethe“ ließen sich die Slogans variieren, so zum Beispiel:

Auch bei der anschließenden Bildgenerierung fielen die Ergebnisse zumindest dem ersten Eindruck nach sehr beeindruckend aus. Offensichtlich hatte die KI „verstanden“, wie das Produkt „Alufelge“ in Zusammenhang mit der Zielgruppe „sportbegeisterte Frauen Anfang 40“ in eindrucksvollen Images mit hoher Variabilität dargestellt werden kann.   


Eine interessante Beobachtung hierbei war, dass obwohl die Prompts lediglich das Wort „Frauen“ beinhaltete, die erprobten KI-Tools ausschließlich weiße Frauen vorschlugen. Das dies möglicherweise am bekannten Phänomen des sogenannten KI-Bias liegt bedeutet, dass der Algorithmus genau auf die Stereotypen in den ihm vorliegenden Datenquellen zurückgreift, die wir ihm selbst geliefert haben. Da die KI lediglich nach „Häufigkeiten“ sucht und dann entscheidet, können zum Beispiel People of Colour diskriminiert werden. Dabei ist es wichtig hervorzuheben, dass nicht die KI selbst diskriminiert, sondern wir Menschen bestehende gesellschaftliche Vorurteile bereits in den zur Verfügung stehenden Datenquellen verankert haben, die sich in der Verarbeitung und Interpretation von Daten durch KI dann manifestieren.


Als Fazit dieses interaktiven Workshops ließen sich aus Sicht der Teilnehmenden für den Einsatz von KI im Bereich Marketing folgende Erkenntnisse festhalten:

  • Für Recherche und Unterstützung aller vorbereitenden Aufgaben im Marketing wie z.B. Erstellung von Skripts oder der praktischen Ablaufplanung, können die heutigen AI-Tools sehr wertvoll sein, weil sie Hinweise und Denkanstöße geben, die diese Arbeit dann erheblich erleichtern können.
  • Für die kreative Erzeugung von Werbebotschaften – insbesondere für eher generische Produkte – reichen die heutigen KI-Tools durchaus aus, um mit menschlicher Kreativität und Originalität weitgehend mitzuhalten.
  • Einschränkungen ergeben sich immer dann, sobald besondere und spezielle Eigenschaften zum Beispiel an Produkten, für die die KI offensichtlich keine ausreichende Datenquellen besitzt, herausgestellt oder beworben werden sollen. Hier wandert die KI dann oft in den Bereich der Halluzination ab (siehe auch: „Die Grenzen von generativen KI-Tools bei der Erstellung von Werbespots“, Februar 2025).
  • Verzerrungen (Beispiel: weiße Frauen) können durch den oben erwähnten KI-Bias hervorgerufen werden. Eine entsprechend ausgewogene Trainingsdatenbasis oder spezielle Verankerungen im Prompt selbst sind daher notwendig, um ungewollte unfaire oder diskriminierende Entscheidung zu vermeiden.
  • Auch wurde von einigen Teilnehmenden gewarnt, dass ein zunehmender Einsatz von KI zu einer Art Nivellierung der Qualität und Verlust von Authentizität führen könnte. Dazu hatte Marcel Hüsen in seiner vom Zukunftszentrum KI NRW unterstützten Masterarbeit* bereits 2025 festgestellt:
    „Ein übermäßiger Einsatz von KI könnte zu einer Angleichung kreativer Inhalte führen und die Einzigartigkeit von Kampagnen gefährden (Gefahr der Mittelmäßigkeit, da KI vor allem bestehende Inhalte reproduziert und variiert, was die Innovationskraft schwächt).“

Abb. (v. l.n.r): Dr. Oliver Fix und Fatma Mendoza vom Zukunftszentrum KI NRW mit Christian Lepping, Geschäftsführer des Arbeitgeberverband Lüdenscheid e.V.

Wir möchten dem Arbeitgeberverband Lüdenscheid für die Bereitschaft, diesen Feldversuch gemeinsam mit uns durchzuführen, danken und wünschen allen Teilnehmenden weiterhin viel Erfolg und Freude beim Experimentieren mit den neuen digitalen Möglichkeiten.


Verweis auf die in der Website des Zukunftszentrums hinterlegte Masterarbeit:

* Marcel Hüsen, BBA, „Künstliche Intelligenz oder Kreativschwund? – Die Herausforderung für deutsche Werbeagenturen, Vertrauen in einer von künstlicher Intelligenz geprägten Welt zu bewahren.“
Masterarbeit zur Erlangung des akademischen Grades an der Fachhochschule Burgenland (FH Burgenland Weiterbildung)


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Das Projekt Zukunftszentrum KI NRW wird im Rahmen des Programms Zukunftszentren durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW sowie durch die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.