
Zwischen Neugier und Umsetzung: Learnings aus unserer Arbeit mit kleinen und mittleren Unternehmen
Im Zukunftszentrum KI NRW werten wir unsere Beratungen und Qualifizierungen fortlaufend aus. Das hilft uns, unsere Angebote zu verbessern, und es zeigt uns, welche Themen und Bedarfe in der nordrhein-westfälischen Wirtschaft gerade an Bedeutung gewinnen. Aus hunderten Rückmeldungen zu unseren Evaluierungen ergibt sich ein überwiegend positives Bild. Die Unternehmen erleben die Zusammenarbeit als hilfreich, sie gewinnen Verständnis und Orientierung, und die Menschen im Betrieb werden einbezogen. Gleichzeitig zeigen die Rückmeldungen aber auch, wo es schwierig wird. Und die entscheidende Hürde liegt oft nicht dort, wo man sie zuerst vermutet.
Die gute Nachricht: Der Wille ist da
Zunächst das Erfreuliche. Unternehmen, die zu uns kommen, nehmen in aller Regel etwas mit. Sie berichten von einem besseren Verständnis für das Thema und von Impulsen, mit denen sie eigenständig weiterarbeiten können. Auffällig ist, dass der Bedarf nach dem ersten Angebot nicht endet. Viele wünschen sich ausdrücklich mehr, etwa Weiterbildung für die Belegschaft, Unterstützung bei der Einführung von KI oder Begleitung im Veränderungsprozess. Auch wo KI konkret helfen soll, benennen sie klar, zum Beispiel in der Verwaltung, im Kundenservice oder in der Produktion. Der oft vermutete grundsätzliche Vorbehalt gegenüber KI ist in der Praxis deutlich kleiner als gedacht.
Nicht die Technik ist das Problem
Interessant wird es bei den Hürden. Man könnte annehmen, dass vor allem die Technik zu kompliziert oder zu teuer ist. In der Praxis liegt das eigentliche Problem woanders, nämlich in der KI-Readiness der Unternehmen. Darunter fallen mehrere Voraussetzungen. Ein Beispiel ist eine standardisierte Datengrundlage. Viele Betriebe unterschätzen, wie viel Arbeit es bedeutet, die eigenen Daten so zu harmonisieren, dass eine KI überhaupt sinnvoll damit arbeiten kann. Diese Vorarbeit ist aufwendig, wenig sichtbar und fällt an, bevor der eigentliche Nutzen entsteht. Hinzu kommen weitere Punkte wie Fragen zu Datenschutz und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Akzeptanz der Mitarbeitenden. Dass viele Unternehmen vor ähnlichen Hürden stehen, haben wir bereits in einer Analyse von Beratungsfällen beschrieben (Ludwig, Azabal et al., 2024, HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik). Der Einstieg in KI ist damit weniger eine Frage der „Programmierung“ als eine Frage der Vorbereitung.
Von der Idee zur dauerhaften Anwendung („Der Ki kann dat doch“)
Am meisten beschäftigt uns ein anderer Punkt. So positiv die Zusammenarbeit bewertet wird, so zurückhaltend fallen die Einschätzungen aus, wenn es um die dauerhafte Anwendbarkeit der erarbeiteten Lösungen im eigenen Betrieb geht. Etwas zu verstehen und auszuprobieren gelingt gut. Es anschließend fest im Arbeitsalltag zu verankern, ist deutlich schwieriger. Wichtig ist dabei die Einsicht, dass KI nie Plug and Play ist. Je nach Lösung braucht es eine starke Einbindung der Anwenderinnen und Anwender sowie ein konstantes Monitoring. Eine KI-Lösung wird nicht einfach eingekauft und läuft dann von allein, sondern muss im Betrieb begleitet und immer wieder angepasst werden. Hinzu kommt eine verbreitete Fehleinschätzung, frei nach dem Motto „Der KI kann dat doch“: die Erwartung, KI sei eine Art Selbstläufer, der Probleme eigenständig löst und sich von allein auf alles optimiert. So funktioniert sie aber nicht. Nicht jede Aufgabe lässt sich sinnvoll automatisieren, und ein realistischer Blick auf das Machbare gehört von Beginn an dazu.
Wie anspruchsvoll dieser Schritt sein kann, zeigt unsere Zusammenarbeit mit der tekmar Regelsysteme GmbH. Das Unternehmen erprobte einen KI-Chatbot für seinen technischen Support und stellte dabei fest, dass die anfänglichen Erwartungen nicht immer mit der Realität übereinstimmten. Bei einfachen, textbasierten Fragen war der Prototyp hilfreich. Bei Bildern, technischen Zeichnungen und sicherheitskritischen Themen kam er an seine Grenzen. Wie das Projekt verlief und wo die Schwierigkeiten lagen, beschreiben wir in der Erfolgsgeschichte. Solche Erfahrungen gehören zum Lernprozess, und genau diesen Lernprozess zu begleiten, ist der zentrale Auftrag des Zukunftszentrums. Sie machen deutlich, dass sich der Erfolg einer KI-Einführung meist erst in der konkreten Umsetzung entscheidet.
Wie wir damit umgehen
Die Wünsche der Unternehmen sehen wir sehr deutlich, und wir versuchen fortlaufend, ihnen im Rahmen unseres Auftrags immer genauer zu entsprechen. Für uns heißt das, stärker bei der konkreten Umsetzung zu unterstützen und gemeinsam mit den Betrieben an praktischen Anwendungsfällen zu arbeiten. Wohin die Reise geht, entwickeln wir dabei Schritt für Schritt mit den Unternehmen weiter.
Wenn Sie überlegen, wie KI in Ihrem Unternehmen sinnvoll eingesetzt werden kann, kommen Sie gern auf uns zu.
Bildquelle: Adobe Stock
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