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„Human in the Loop“ – Warum der Mensch trotz KI unersetzlich bleibt

Künstliche Intelligenz (KI) verändert Prozesse, Entscheidungen und ganze Geschäftsmodelle – auch in kleinen und mittleren Unternehmen. Doch trotz aller Automatisierung bleibt eine Frage zentral: Welche Rolle spielt der Mensch im Zusammenspiel mit KI-Systemen? 

Ein Konzept, welches dabei zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist „Human in the Loop“ und sein Bruder „Human on the Loop“. Beide bringen Mensch und Maschine in eine produktive Balance, wobei sie sich minimal unterscheiden. 


„Human in the Loop“ beschreibt ein Konzept, bei dem der Mensch aktiv in automatisierte Entscheidungsprozesse eingebunden bleibt. Das heißt: Die KI liefert Vorschläge oder Vorentscheidungen, doch der Mensch überprüft, korrigiert oder bestätigt sie. So können zusätzliche Daten bereitgestellt werden, die dem System helfen, aus den Fehlern zu lernen und sich zu verbessern. Diese Rückkopplungsschleife ist entscheidend, um sicherzustellen, dass das System kontinuierlich lernt und sich anpasst. 

Ein praktisches Beispiel findet sich in der Bildannotation. In vielen Fällen werden große Mengen an Bilddaten manuell von Menschen gekennzeichnet, um einem KI-Modell zu helfen, Objekte zu identifizieren. Diese menschlichen Eingaben sind entscheidend, um sicherzustellen, dass die Modelle korrekt trainiert werden. 

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Verarbeitung natürlicher Sprache. Systeme wie Chatbots nutzen „Human in the Loop“, um die Genauigkeit ihrer Antworten zu verbessern. Wenn ein System eine inkorrekte Antwort gibt, kann ein Mensch eingreifen, um das Modell entsprechend anzupassen. 

Dieses Vorgehen ist besonders sinnvoll bei: 

  • sensiblen Entscheidungen (z. B.in der Qualitätssicherung) 
  • unsicheren oder unvollständigen Daten 
  • ethischen oder rechtlichen Fragestellungen 

„Human on the Loop“ bedeutet, dass der Mensch nicht aktiv eingreift, sondern überwacht, ob die KI korrekt arbeitet – und bei Bedarf einschreitet. Die Verantwortung bleibt also beim Menschen, aber die Eingriffe sind seltener (als beim Konzept „Human in the Loop“). 

Beispiel: Ein autonomes System überwacht den Energieverbrauch in einer Produktionshalle und passt automatisch Einstellungen an. Nur wenn Werte stark abweichen und somit auffällig sind, kann es sein, dass eine Fachkraft eingreift. 


Kriterium Human in the Loop Human on the Loop 
Beteiligung des Menschen aktivüberwachend
Eingriffsmöglichkeiten regelmäßig, bei jeder Entscheidung punktuell, bei Bedarf 
typische Anwendung kritische oder sensible Prozesse automatisierte Routineaufgaben 
Verantwortung liegt klar beim Menschen liegt ebenfalls beim Menschen 
Vorteile – Höhere Kontrolle und Sicherheit 
– Bessere Nachvollziehbarkeit bei Entscheidungen 
– Ethisch verantwortungsvolles Handeln 
– Hoher Automatisierungsgrad 
– Effizient bei standardisierten Aufgaben 
– Entlastung der Mitarbeitenden 
Nachteile – Höherer Zeit- und Personalaufwand 
– Mögliche Verlangsamung von Prozessen 
– Risiko von Fehlentscheidungen bei unklaren Situationen 
– Höherer Schulungsbedarf zur Systemüberwachung 

Mit zunehmender Verbreitung von KI-Systemen steigen auch die Anforderungen an Transparenz, Fairness und Sicherheit. Zusätzlich stehen Unternehmen vor regulatorischen Anforderungen und gesellschaftlicher Verantwortung. Des Weiteren wächst das Bewusstsein, dass automatisierte Systeme nicht perfekt sind: Verzerrte Daten, unerwartete oder gar neue Situationen oder ethische Herausforderungen können dazu führen, dass menschliches Urteilsvermögen weiterhin unverzichtbar ist. Dadurch wird es immer relevanter für Unternehmen sich mit dem Konzepten Human in the Loop und Human on the Loop zu befassen, um nachhaltige KI Lösungen zu konzipieren. 

Ein wesentlicher Baustein zur Stärkung der Konzepte „Human in the Loop“ und „Human on the Loop“ ist die erklärbare KI (engl. Explainable Artificial Intelligence; XAI). XAI sorgt dafür, dass KI-Entscheidungen nicht länger als undurchschaubare Black Box wirken, sondern verständlich gemacht werden können. So wird nachvollziehbar, welche Faktoren eine Entscheidung beeinflusst haben und warum das System auf bestimmte Ergebnisse kommt. Mehr zum Thema XAI finden Sie in unserem Blogbeitrag „Die Kunst der KI-Erklärung – wie XAI Licht ins Dunkel bringt“.  

Dadurch lässt sich die Integration von Human-in-the-Loop-Ansätzen deutlich verbessern: Wenn der Mensch nicht nur die Entscheidung sieht, sondern auch versteht, auf welcher Basis sie getroffen wurde, kann er sie effektiver bewerten, korrigieren oder optimieren. Bei Human-on-the-Loop-Szenarien ermöglicht XAI gezieltes Monitoring: Abweichungen oder ungewöhnliche Ergebnisse werden transparent und ermöglichen gezieltes Eingreifen – bevor ein Fehler eskaliert. 

Im Ergebnis fördern XAI-Techniken Vertrauen in KI-Systeme, steigern die Nachvollziehbarkeit und ermöglichen eine produktivere Kooperation zwischen Mensch und Maschine – ein entscheidender Vorteil für Unternehmen, die KI verantwortungsbewusst einsetzen möchten. 

Auch für kleine und mittlere Unternehmen gilt: Die beste KI nützt wenig, wenn Menschen sie nicht verstehen, kontrollieren oder mitgestalten können.
Deshalb sollten Unternehmen jetzt: 

  • Kompetenzen im Umgang mit KI aufbauen – durch Schulungen, Weiterbildungen oder externe Beratung 
  • KI-Projekte bewusst gestalten – mit klaren Rollen für Mensch und Maschine 
  • Transparente Prozesse einführen – damit Mitarbeitende verstehen, wie Entscheidungen zustande kommen 
  • Pilotprojekte mit „Human in the Loop“-Ansätzen testen – etwa im Kundenservice oder in der Produktion 

Viele moderne KI-Systeme funktionieren heute wie eine Black Box: Sie liefern Ergebnisse, aber wie genau diese entstehen, bleibt oft intransparent. Eine solche Einsicht in die Entscheidungsprozesse ist jedoch hilfreich, wenn Konzepte wie „Human in the Loop“ und „Human on the Loop“ umgesetzt werden sollen. Denn nur wenn Menschen Entscheidungen nachvollziehen können, können diese korrekt bewertet und korrigiert werden. 


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Das Projekt Zukunftszentrum KI NRW wird im Rahmen des Programms Zukunftszentren durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW sowie durch die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.